Backorder

Was ist eine Backorder?
Eine Backorder ist eine Kundenbestellung für einen Artikel, der aktuell nicht auf Lager ist, aber vom Händler oder Hersteller nachgeliefert werden kann. Die Ware ist also vorübergehend nicht verfügbar, die Bestellung wird jedoch angenommen und später aus offenen Lieferungen (Nachschub) bedient.
1. Begriffserklärung: Was bedeutet Backorder im E-Commerce?
Im E-Commerce bezeichnet der Begriff Backorder eine Kundenbestellung, die nicht sofort aus dem aktuellen Lagerbestand erfüllt werden kann, weil der Artikel vorübergehend ausverkauft ist, aber wieder beschafft werden soll. Die Bestellung wird angenommen, bleibt offen und wird versendet, sobald wieder Ware eintrifft.
Backorders sind damit ein wichtiges Instrument im Bestands- und Auftragsmanagement, um Umsätze trotz temporärer Lieferengpässe zu sichern, ohne Produkte dauerhaft als „nicht verfügbar“ auszulisten.
2. Abgrenzung: Backorder, Out-of-Stock, Preorder & Co.
Im Alltag werden verschiedene Begriffe rund um Verfügbarkeit und Lieferzeiten häufig vermischt. Für ein sauberes Bestandsmanagement ist eine klare Abgrenzung wichtig.
2.1 Backorder vs. Out-of-Stock
Die Backorder ist also eine Art „kontrollierter Lieferverzug“, während Out-of-Stock eher einem Verkaufsstopp entspricht.
2.2 Backorder vs. Preorder (Vorbestellung)
Für Kunden ist die Unterscheidung relevant, weil bei Preorders häufig längere und schwerer abschätzbare Lieferzeiten gelten als bei Backorders, die meist an konkrete Liefertermine von Lieferanten gekoppelt sind.
2.3 Backorder vs. Dropshipping & Just-in-Time
Backorders sind also kein eigenes Geschäftsmodell, sondern ein Auftragsstatus innerhalb deines bestehenden Logistik- und Beschaffungssystems.
3. Wie entsteht eine Backorder? Typische Ursachen
Backorders entstehen immer dann, wenn Nachfrage und verfügbare Ware zeitlich auseinanderfallen. Häufige Ursachen im E-Commerce sind:
Je nach Systemlandschaft (Shop, PIM, ERP, Lagerverwaltung) ist wichtig, dass Bestände möglichst in Echtzeit synchronisiert werden, damit Backorder-Situationen transparent und steuerbar bleiben.
4. Merkmale einer professionell gemanagten Backorder
Eine Backorder muss nicht automatisch ein Problem sein. Entscheidend ist, wie du sie steuerst und kommunizierst. Typische Merkmale eines professionellen Backorder-Managements sind:
So kann eine Backorder sogar zum Servicevorteil werden: Der Kunde erhält die Ware sicher, ohne regelmäßig „nachsehen“ zu müssen, ob das Produkt wieder verfügbar ist.
5. Kennzahlen rund um Backorders im E-Commerce
Für Shops mit größerem Sortiment und vielen SKUs lohnt es sich, Backorders mit klaren KPIs zu messen. Drei Metriken sind besonders hilfreich:
5.1 Backorder-Quote (Anteil der Bestellungen mit Backorder)
Die Backorder-Quote zeigt, welcher Anteil deiner Aufträge nicht sofort aus Lagerbestand bedient werden kann.
Eine dauerhaft hohe Backorder-Quote signalisiert Probleme in der Disposition, Lieferkette oder Datensynchronisation.
5.2 Durchschnittliche Backorder-Dauer
Die durchschnittliche Backorder-Dauer misst, wie viele Tage zwischen Bestellung und Versand von Backorder-Positionen vergehen.
Diese Kennzahl ist wichtig für Kundenzufriedenheit und Retourenrisiko, da lange und intransparente Wartezeiten schnell zu Stornos führen.
5.3 Backorder-Stornoquote
Die Backorder-Stornoquote erfasst, wie häufig Kunden ihre Bestellung stornieren, weil sich Backorders verzögern oder die Geduld endet.
Eine steigende Backorder-Stornoquote ist ein Frühwarnsignal, dass Kommunikation, Lieferzusage oder Produktalternativen optimiert werden sollten.
6. Vorteile und Risiken von Backorders für Onlineshops
Backorders sind ein zweischneidiges Schwert: Sie eröffnen Umsatzchancen, bergen aber auch operative und reputative Risiken.
6.1 Vorteile von Backorders
6.2 Risiken und Herausforderungen von Backorders
Ob Backorders für dich sinnvoll sind, hängt stark von Marge, Produktlebenszyklus, Lieferzuverlässigkeit und deiner Zielgruppe ab.
7. Operatives Backorder-Management im E-Commerce
Für mittelgroße und große Onlineshops ist ein strukturierter Prozess entscheidend, damit Backorders nicht chaotisch im Tagesgeschäft untergehen.
7.1 Prozessschritte im Backorder-Workflow
7.2 Systemseitige Anforderungen (Shop, PIM, ERP, WAWI)
Damit Backorders sauber laufen, sollten deine Systeme folgende Funktionen unterstützen:
Gerade bei Shopsystemen wie Shopware, Shopify Plus oder Magento ist es sinnvoll, Backorder-Logik und Verfügbarkeitsanzeigen sauber mit deinem ERP oder WAWI zu verbinden, statt isolierte Lösungen zu bauen.
8. Backorder und Kundenerwartungen: Kommunikation ist entscheidend
Ob Kunden eine Backorder akzeptieren, hängt weniger vom Begriff selbst ab, sondern von Transparenz und Zuverlässigkeit. Wichtig sind insbesondere:
9. Backorder, Content und Produktdaten: Was im Shop sichtbar sein sollte
Neben Logistik und ERP spielt der sichtbare Produktcontent im Shop eine zentrale Rolle für die Wahrnehmung von Backorders. Gerade bei vielen Produkten und Varianten sollte Folgendes automatisiert im Content berücksichtigt werden:
Bei sehr großen Sortimentsgrößen ist es kaum effizient, solche Texte manuell zu pflegen. Hier helfen automatisierte Lösungen, die Produktdatenfeeds (z. B. mit Bestands- und Lieferzeitfeldern) in skalierbaren Content für tausende Produkte übersetzen.
10. Praxisbeispiele: Wo Backorders sinnvoll eingesetzt werden
Backorders sind besonders häufig in folgenden Szenarien zu finden:
| Segment | Einsatz von Backorders | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Elektronik | Neue Modelle, schnell drehende Topseller | Saisonale Peaks, enge Herstellerkontingente |
| Fashion | Beliebte Größen/Farben in laufenden Kollektionen | Kurze Produktlebenszyklen, Storno-Risiko bei Trendartikeln |
| B2B & Ersatzteile | Standardteile, Normartikel, Nachbestellungen | Hohe Verlässlichkeit, Kunden akzeptieren Wartezeiten eher |
Entscheidend ist immer die Kombination aus Marge, Wiederbeschaffbarkeit und Kundenakzeptanz. Ein Ersatzteil mit hoher Dringlichkeit und unklarer Lieferzeit eignet sich schlechter für Backorders als ein Standardartikel mit stabilen Lieferketten.
11. Best Practices zur Optimierung deines Backorder-Managements
Um Backorders im E-Commerce effizient und kundenfreundlich zu steuern, haben sich folgende Maßnahmen bewährt:
12. Häufige Fragen zu Backorder
Was ist eine Backorder im E-Commerce?
Eine Backorder ist eine Kundenbestellung für einen Artikel, der aktuell nicht auf Lager ist, aber nachbestellt und zu einem späteren Zeitpunkt geliefert werden kann. Der Shop nimmt die Bestellung an, reserviert die Ware aus künftigen Lieferungen und informiert den Kunden in der Regel über eine verlängerte Lieferzeit.
Wie lange dauert eine Backorder normalerweise?
Die Dauer einer Backorder hängt von deinen Lieferanten, dem Produkt und der Lieferkette ab. In vielen Branchen liegen typische Zeiträume zwischen einigen Tagen und wenigen Wochen. Wichtig ist, die voraussichtliche Dauer möglichst realistisch zu prognostizieren, transparent zu kommunizieren und den Kunden bei Änderungen aktiv zu informieren.
Was ist der Unterschied zwischen Backorder und Preorder?
Bei einer Preorder bestellst du ein Produkt vor, das noch nie verfügbar war, zum Beispiel ein neues Modell vor dem offiziellen Verkaufsstart. Eine Backorder betrifft dagegen Produkte, die bereits im regulären Sortiment waren, aber vorübergehend vergriffen sind und wieder nachgeliefert werden sollen.
Ist eine Backorder für Kunden riskant?
Für Kunden ist eine Backorder in der Regel dann wenig riskant, wenn der Shop transparent über Lieferzeiten informiert, verlässliche Updates gibt und flexible Optionen wie Storno oder Alternativprodukte anbietet. Kritisch wird es, wenn Liefertermine mehrfach verschoben werden oder Informationen fehlen, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Stornos und Unzufriedenheit.
Wie sollte ein Onlineshop eine Backorder anzeigen?
Ein Onlineshop sollte Backorders klar und sichtbar kennzeichnen, etwa durch Hinweise wie derzeit nicht auf Lager, voraussichtliche Lieferung in X Tagen oder lieferbar ab Kalenderwoche Y. Idealerweise erscheinen diese Informationen sowohl auf der Produktdetailseite als auch im Warenkorb und in der Bestellübersicht, ergänzt durch entsprechende Hinweise in der Bestellbestätigung.
Welche Rolle spielen ERP und Warenwirtschaft bei Backorders?
ERP und Warenwirtschaft sind zentral für ein sauberes Backorder-Management, weil sie Bestände, Reservierungen und offene Bestellungen zusammenführen. Sie erfassen, welche Mengen bereits verkauft, nachbestellt oder auf Lager sind, und steuern so, welche Produkte im Shop noch als bestellbar auf Backorder angezeigt werden können und welche nicht. Außerdem liefern sie Daten für Prognosen und Kennzahlen.
Wie kann ich Backorders im E-Commerce reduzieren?
Du kannst Backorders reduzieren, indem du deine Bedarfsplanung verbesserst, Mindestbestände für Topseller definierst, Lieferzeiten der Hersteller regelmäßig überprüfst und Bestandsdaten in Echtzeit zwischen Shop, ERP und Lager synchronisierst. Zusätzlich helfen klare Regeln, ab welchen Schwellen ein Artikel auf Backorder gestellt oder im Shop vorübergehend deaktiviert wird, um unnötige Wartezeiten für Kunden zu vermeiden.
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